Ebbe und Flut

Das Meer steigt und fällt regelmäßig zweimal am Tag. Diese Erscheinungen - Fallen und Steigen - werden Ebbe und Flut genannt. Die Wassermassen benötigen etwa sechs Stunden, um anzusteigen respektive wieder zurück zu fließen. Dazwischen liegt eine Stunde, in der das Wasser entweder an der Küste (Flut) oder auf hoher See (Ebbe) verweilt. Das Zusammenspiel von Ebbe und Flut nennt sich TIDE.

Die Entstehung der Tiden ist im Zusammenspiel von zwei verschiedenen Kräften begründet, die beide auf den Wassermantel der Erde einwirken: Die Fliehkraft, die ihren Ursprung in dem Zwei-Körper-System von Erde und Mond hat, der Einfluss der Massenanziehung von Mond und Sonne auf die Erde.

Das Schwerkraftzentrum des Mond/Sonne-Systems befindet sich im Inneren unseres Planeten, allerdings liegen zwischen ihm und dem Erdmittelpunkt etwa 4000 km. Durch Rotation des Mond/Sonne-Systems um seinen Schwerpunkt werden Fliehkräfte erzeugt, die wiederum von der Massenanziehung von Sonne und Mond beeinflusst werden. Auf der sonnen- respektive Ebbe und Flut mondzugewandten Seite der Erde herrschen die Anziehungskräfte vor, die das Wasser zu einem Flutberg zusammenziehen.

Auf der sonnen- respektive mondabgewandten Seite haben Fliehkräfte, die aus dem Doppelsystem Erde/Mond resultieren, einen so großen Einfluss auf den Wassermantel der Erde, dass ein weiterer Flutberg gebildet wird. Aufgrund der Erdrotation wandern die Flutberge auf der Erdoberfläche in östlicher Richtung. Der Mond braucht 28 Tage, um sich um die Erde zu drehen, während die Erde an einem Tag um die eigene Achse rotiert.

Aufgrund der Bewegungsrichtung des Mondes, die der Drehrichtung der Erde entspricht, dauert es mehr als 24 Stunden, bis der gleiche Punkt, nämlich der Flutberg, dem Mond wieder zugewandt ist. Da die tägliche Zeitverschiebung 50 Minuten beträgt, sind Ebbe und Flut um 25 Minuten pro Tag verschoben. Eine Tide, die Zeitspanne zwischen zwei Phasen von Hoch- bzw. Niedrigwasser, dauert jeweils 12 Stunden und 25 Minuten. In ihrem jährlichen Lauf halten Sonne, Erde und Mond verschiedene Positionen zueinander besetzt. Dadurch ändern sich die Anziehungskräfte mit ihrem Einfluß auf den Wassermantel der Erde.